Folge Nr.47 Designentscheidungen
Transkript Folge Nr. 47
Guido:
Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einem weiteren NeubauPod. Heute geht es mit der Innenarchitektur weiter– wieder gemeinsam mit Corina. Dieses Mal sprechen wir über das Thema Design. Corina, schön, bist du wieder bei uns.
Corina:
Hallo Guido, danke. Hi zusammen.
Guido:
Beginnen wir direkt mit einer wahrscheinlich ziemlich komplexen Frage: Wie finde ich meinen eigenen Wohnstil, ohne mich zu stark von aktuellen Trends beeinflussen zu lassen? Entspricht der richtige Wohnstil der Art, wie ich heute lebe, der Art, wie ich gerne leben würde, oder vielleicht einfach dem, was ich in Zeitschriften sehe?
Corina:
Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Für einige Menschen passt die Art, wie sie aktuell wohnen, bereits sehr gut. Für andere bietet ein Neu- oder Umbau die Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln und einen neuen Stil für sich zu entdecken. Das ist sehr individuell.
Guido:
Gibt es Strategien oder Tipps, mit denen ich herausfinden kann, welches Design langfristig zu mir passt?
Corina:
Eine allgemeingültige Strategie gibt es nicht. Man muss sich selbst sehr gut kennen und einschätzen können, welcher Stil zur eigenen Persönlichkeit und zum eigenen Leben passt.
Ich glaube aber auch, dass wir in der Schweiz nicht von einem einzigen, klar definierten Wohnstil sprechen können. Die Menschen und auch unsere Bauherrschaften sind sehr individuell. Viele Menschen in der Schweiz verbringen beispielsweise gerne Zeit draussen. Solche Gewohnheiten beeinflussen natürlich auch das Wohnen. Trotzdem lässt sich daraus nicht einfach ein allgemeiner Schweizer Wohnstil ableiten.
Guido:
Kommen wir zu einer Situation, mit der wahrscheinlich schon viele konfrontiert waren – unabhängig davon, ob es konkret um Design geht oder nicht: Man bespricht die Gestaltung des gemeinsamen Zuhauses mit der Partnerin oder dem Partner. Wie findet man dabei am besten zusammen? Bei uns wäre es beispielsweise so: Ich möchte Schwarz, sie möchte Weiss. Wie findet man die Mitte?
Corina:
Indem man die beiden unterschiedlichen Meinungen miteinander bespricht und gemeinsam nach einer Lösung sucht. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob am Ende beide mit dieser Lösung zufrieden sind – auch langfristig. Es geht darum, sich miteinander zu finden.
Wir erleben solche grossen Differenzen allerdings eher selten. Paare, die zu uns kommen und sich den Traum vom eigenen Haus erfüllen, bewegen sich in ihren Vorstellungen meistens bereits in eine ähnliche Richtung. Das spüren wir in den Gesprächen.
Guido:
Wie geht ihr konkret vor, um das herauszufinden?
Corina:
Am Anfang steht das Kennenlernen der Bauherrschaft. Wir möchten herausfinden: Welchen Stil haben die Menschen? Wo sehen sie sich selbst? Wie soll ihr Haus aussehen und wie möchten sie darin leben? Dieses gegenseitige Kennenlernen ist ein ganz wichtiger Teil des Prozesses.
Guido:
Wie beurteilst du das Zusammenspiel mit der Architektur des Hauses? Muss die Innenarchitektur zur äusseren Architektur passen oder darf zwischen innen und aussen ganz bewusst ein Bruch entstehen?
Corina:
Beides ist möglich. Es kommt darauf an, worauf man den Fokus legt, und natürlich auch auf die Bauherrschaft. Soll die äussere Wirkung des Hauses im Inneren weitergeführt werden? Sollen sich bestimmte Feinheiten der Architektur auch innen wiederfinden? Oder möchte man bewusst mit Kontrasten arbeiten?
Das ist sehr individuell. Ich finde es aber durchaus spannend, wenn sich Innen- und Aussenarchitektur bewusst voneinander abheben.
Guido:
Kann man mit Farben die Wirkung eines Raumes steuern? Kann man einen Raum beispielsweise grösser oder heller wirken lassen?
Corina:
Ja, die Raumwirkung lässt sich mit Farben beeinflussen. Dazu gibt es ganz unterschiedliche Theorien und Möglichkeiten. Mit Farbe kann man aber nicht nur beeinflussen, wie gross oder hell ein Raum wirkt, sondern auch das persönliche Wohlbefinden und die Stimmung, die in einem Raum entsteht.
Guido:
Bleiben wir bei den Farben: Gibt es typische Fehler, die man bei der Farbauswahl machen kann?
Corina:
Wichtig ist, dass man mit Kontrasten arbeitet. Das kann beispielsweise ein Hell-Dunkel-Kontrast oder ein Zusammenspiel von kühlen und warmen Farbtönen sein. Solche Gegensätze sollten bewusst eingesetzt werden.
Natürlich kann man einen Raum auch ausschliesslich mit warmen Tönen gestalten. Als Innenarchitektin achte ich jedoch darauf, dass trotzdem eine gewisse Balance entsteht. Die einzelnen Elemente müssen sich gegenseitig ausgleichen, damit die Stimmung im Raum harmonisch wirkt.
Guido:
Würdest du empfehlen, die Farben bereits früh auszuwählen? Es gibt immer wieder die Überlegung, zunächst einzuziehen, die Wände neutral und weiss zu lassen und erst später zu entscheiden, welche Farben wirklich passen. Was hältst du davon?
Corina:
Das finde ich grundsätzlich sehr sinnvoll. Farben beeinflussen einen Raum stark. Gerade bei einem Neubau ist es jedoch schwierig, die Wirkung richtig einzuschätzen, solange der Raum noch gar nicht existiert. Selbst mit Visualisierungen lässt sich ein Raum nicht vollständig so wahrnehmen, wie er später tatsächlich wirkt. Deshalb ist die konkrete Farbauswahl aus meiner Sicht eher ein Thema für die Schlussphase der Bauzeit. Dann kann man im Raum besser beurteilen, was er wirklich benötigt. Bei einem Umbau befindet man sich in einer etwas einfacheren Situation, weil die bestehenden Räume von Anfang an wahrgenommen und beurteilt werden können. Bei einem Neubau zeigt sich häufig erst gegen Ende, welche Farbe in einem bestimmten Raum wirklich passt. Wenn jemand farblich noch offen ist, können ein Moodboard oder ein übergeordnetes Farbkonzept trotzdem bereits früh sehr hilfreich sein.
Guido:
Wie wichtig ist es, zuerst mit einem Moodboard oder einem Farbkonzept zu arbeiten, bevor man konkrete Entscheidungen trifft?
Corina:
Das ist auf jeden Fall wichtig. Diese Vorbereitungen fliessen auch in die gesamte Materialauswahl ein. Zunächst muss beispielsweise geklärt werden, welcher Boden eingesetzt wird und wie die Küche aussehen soll. Die Farbe spielt dabei genauso eine Rolle wie die Gestaltung der Küchenfronten.
Alle Materialien und Farben müssen zusammengeführt werden. Deshalb ist es wichtig, sich bereits in einer frühen Planungsphase mit dem Gesamtkonzept auseinanderzusetzen.
Guido:
Kehren wir noch einmal zu den Trends zurück: Wie kann ich aktuelle Trends aufnehmen, ohne dass ich nach zwei Jahren denke: Was habe ich da gemacht? Vielleicht gefällt es mir dann nicht mehr, es wirkt bereits altmodisch oder wird einfach nicht mehr so gestaltet.
Corina:
Entscheidend ist, wie stark ein Trend in das gesamte Innenraumkonzept einfliesst. Wenn ein Konzept sorgfältig entwickelt wurde, ist es normalerweise nicht so, dass man nach zwei Jahren plötzlich sagt, es gefalle einem überhaupt nicht mehr.
Vielleicht gibt es einzelne Details, die man später anpassen möchte. Bei grundlegenden Entscheidungen sollte man sich jedoch bereits vorher überlegen, ob einem diese Gestaltung voraussichtlich auch in einigen Jahren noch gefällt. Trends kommen und gehen teilweise auch wieder. Deshalb sollte man solche Entscheidungen bewusst treffen.
Guido:
Bei einfachen Dingen ist eine spätere Veränderung natürlich kein grosses Problem. Wenn ich für eine Wand eine bestimmte Farbe auswähle und nach zwei Jahren eine andere Farbe möchte, kann ich sie relativ einfach neu streichen.
Corina:
Genau. Entscheidend sind vor allem die fest eingebauten Elemente und der grundsätzliche Stil des Hauses. Diese Dinge lassen sich nicht nach zwei Jahren ohne grösseren Aufwand verändern. Eine Wandfarbe oder eine Tapete kann man dagegen jederzeit austauschen.
Guido:
Neben Trends gibt es wahrscheinlich immer auch persönliche Aspekte oder Gegenstände, die man in sein Zuhause integrieren möchte. Wie schafft man es, diese einzubringen, ohne dass das Zusammenspiel von Design und persönlichen Elementen chaotisch wirkt?
Corina:
Es geht darum, diese beiden Aspekte miteinander zu verbinden. Die Persönlichkeit der Bewohnerinnen und Bewohner beziehen wir bei der Auswahl immer mit ein.
Jedes Haus, jeder Innenausbau und jede Innenarchitektur trägt eine persönliche Note. Bei uns ist es nicht so, dass wir als Innenarchitektinnen und Innenarchitekten einen bestimmten eigenen Stil haben und diesen bei jeder Bauherrschaft umsetzen. Das ist ganz entscheidend. Deshalb widerspiegelt jede unserer Innenarchitekturen die Persönlichkeit der Menschen, die später darin wohnen.
Guido:
Gibt es trotzdem Tipps, die ihr der Bauherrschaft mitgebt, wenn sie eine bestimmte persönliche Wirkung erzielen möchte? Sagt ihr beispielsweise: Das könnt ihr gut machen, aber achtet unbedingt auf diesen oder jenen Punkt?
Corina:
Ja, auf jeden Fall. Unsere Erfahrung geben wir selbstverständlich weiter. Wenn wir bei einer Entscheidung Bedenken haben, teilen wir das der Bauherrschaft auch mit – wenn nötig zwei-, drei- oder sogar fünfmal. Manchmal braucht es mehrere Gespräche, bis ein Thema abschliessend beurteilt und eine gute Entscheidung getroffen werden kann.
Guido:
Gibt es eine goldene Regel für die Harmonie zwischen Materialien, Farben und Möbeln? Gibt es etwas, woran man sich grundsätzlich orientieren kann?
Corina:
Wenn wir Möbel, Farben und Materialien ganz allgemein betrachten, gibt es keine feste Regel. Beim Innenausbau sieht es etwas anders aus. Bei fest eingebauten Elementen, der Anordnung bestimmter Objekte oder auch beim Aufhängen eines Bildes gibt es durchaus gestalterische Regeln.
Dazu gehören beispielsweise der Goldene Schnitt oder die Fibonacci-Reihe. Solche Prinzipien kann man in die Innenarchitektur einfliessen lassen.
Dabei geht es also vor allem um die Proportionen: Wie gross muss oder darf ein Element in einem Raum sein und wie wird es richtig angeordnet?
Guido:
Sehr spannend. Corina, herzlichen Dank für deinen erneuten Besuch. Ich freue mich bereits auf unser nächstes Gespräch.
Corina:
Danke dir ebenfalls.