Guido:
Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von unserem NeubauPod. Heute sprechen wir allgemein über das Thema Bauland. Mein Gesprächspartner heute ist Oliver Künzler, er ist Verkaufsberater bei der Marty Häuser AG. Herzlich willkommen, Oli.
Oliver:
Hoi Guido, es freut mich, hier zu sein und ich bin gespannt, welche Fragen Du mir heute stellen wirst.
Guido:
Sehr schön. Oli, wir steigen gleich ein und beginnen relativ einfach: Gibt es überhaupt noch Bauland in der Schweiz?
Oliver:
Ich würde sagen ja, es ist immer die Frage, wo man sucht. Umso näher man bei einer Stadt sucht, umso schwieriger wird es. In der Umgebung einer Stadt gibt es sehr viele Leute, die ein Bauland suchen. Und dann ist immer die Frage, wie man sucht. Bestehende Häuser, die man abbrechen könnte, wären sicher auch sehr interessant, dass man diese auch im Blick hat, denn der Abbruch ist generell vielfach günstiger, als die Leute es sich vorstellen. Voraussetzung ist immer, dass es kein Asbest oder so etwas hat.
Guido:
Gut, zu diesem Thema kommen wir sicher später nochmals zu sprechen. Aber grundsätzlich ist die Chance da, noch ein Bauland zu finden, ob es jetzt ein bestehendes Haus ist oder eine leere Parzelle.
Oliver:
Auf jeden Fall, ich würde sagen, dass man möglichst viele Kanäle offen haben sollte, damit die Chance grösser ist, dass man etwas findet.
Guido:
Wir reden immer davon, dass Bauland teuer ist. In der Schweiz ein Bauland zu kaufen, ist sehr teuer. Und dann gibt es immer diese extremen Preisunterschiede Woher kommt das? Oder stimmt die Aussage, dass es teuer ist?
Oliver:
Hier sind wir wieder beim gleichen Punkt: Umso näher man bei einer Grossstadt ist, umso teurer wird das Land. Es kommt auch darauf an, was für eine Aussicht man hat: Sieht man auf den See, auf den Alpstein oder sonst etwas Spezielleres. Ein weiterer Faktor ist, was man auf dem Grundstück erstellen kann. Das heisst, wenn zum Beispiel Mehrfamilienhäuser und Einfamilienhäuser auf dem Bauland möglich sind, dann kann das den Baulandpreis auch nach oben treiben, weil man reintheoretisch ein Renditeobjekt daraufstellen könnte. Und je nachdem, was man daraufstellen kann, steigt der Wert vom Land.
Guido:
Also kann man gar nicht pauschalisiert sagen: «Dort ist es teuer wegen dem» oder «Dort ist es günstiger wegen dem». Es gibt überall teure oder günstige – wie auch immer man das definieren kann. Aber die Herausforderung ist überallungefähr die gleiche oder die gleiche Thematik in der Region.
Oliver:
Ja, ich würde schon sagen, je ländlicher es wird, umso günstiger ist es und je näher städtisch es wird, umso teurer.
Guido:
Gibt es grundsätzlich ein perfektes Bauland für mein Haus? Ist das eine bestimmte Grösse, gibt es eine Formel dazu oder soll man einfach loslegen? Gibt es das überhaupt?
Oliver:
Perfekte Grösse, würde ich sagen, das sieht jeder ein wenig anders. Einige Leute sagen «Ich will möglichst viel Rasen haben, um draussen zu spielen oder um einen Garten zu haben» und andere Leute sagen, tendenziell eher ältere Leute, «Ich möchte gar nicht viel Rasen haben, für mich reicht es, wenn es möglichst kompakt und übersichtlich ist. Ich möchte nicht den ganzen Unterhalt haben, Schnee schaufeln etc., was es alles gibt.» Das ist je nach Kunde unterschiedlich. Was sicher einen Einfluss hat, ist, was ich daraufstellen möchte und anhand dessen ergibt sich auch eine gewisse Grösse. Das hat auch mit Baugesetzen, Grenzabständen, Ausnützungsziffern etc. zu tun, das hängt auch davon ab.
Guido:
Es sind verschiedene Begriffe gefallen, die relativ komplex klingen. Also es gibt in dem Fall auch keine Mindestgrösse für ein Bauland. Reichen 200qm oder müssen es 1’000qm sein?
Oliver:
Das ist noch witzig, das werde ich von den Kunden noch relativ oft gefragt «Wie viel Bauland brauche ich?». Da hängen so viele Faktoren zusammen: Ist die Erschliessung von unten oder von oben? Brauche ich eine Doppelgarage? Kann ich die Doppelgarage in den Keller platzieren? Was sind die Grenzabstände? Kann ich den Strassenabstand über den grossen Grenzabstand stellen? Da gibt es so viele Themen, deshalb kann man es nicht so beantworten. Am besten ist einfach immer, wenn man ein Land hat, welches in Frage kommen könnte, einfach an uns senden. Wir prüfen es und dann sagen wir dem Kunden, was etwa geht und was nicht geht.
Guido:
Und auf der anderen Seite: Umso grösser, umso besser, oder nicht? Wenn das Geld reicht, wieso nicht?
Oliver:
Why not.
Guido:
Why not. *beide lachen*
Du hast vorhin einmal vom Abbruch, Rückbau usw. erzählt. Kann man eigentlich jedes Haus abbrechen oder gibt es hier eine Herausforderung, die man jetzt schon beachten muss?
Oliver:
Es macht sicher Sinn, wenn ein bestehendes Haus noch steht, auf der Gemeinde oder in den GIS-Portalen nachzuschauen, ob das Haus irgendwie geschützt ist oder ob man gewisse Sachen erfüllen muss, wenn man es abbricht und etwas Neues baut. Muss man vielleicht im ähnlichen Stil wieder bauen? Das lohnt sich sicher. Wie gesagt, Asbest könnte auch vorkommen, aber das ist wieder ein anderes Thema.
Guido:
Wenn ein bestehendes Haus noch steht, ist es ja eigentlich erschlossen. Man hört immer wieder: «Das Haus ist erschlossen» oder «Das Grundstück ist erschlossen oder gar nicht erschlossen. Was bedeutet das eigentlich? Ist es, weil ich mit dem Auto perfekt heranfahren kann oder ist da etwas anderes dahinter, was den Erschliessungsgrad eines Grundstücks betrifft?
Oliver:
Eigentlich gibt es 3 verschiedene Arten von diesen Erschliessungs-Graden. Vollerschlossen, teil erschlossen und nicht erschlossen. Voll erschlossen bedeutet eigentlich, dass es eine Zufahrt hat und alle Leitungen, die es benötigt, also Abwasser, Strom, Wasser etc. sind vorhanden. Teil erschlossen bedeutet, dass irgendeines dieser Teile nicht verfügbar ist. Zum Beispiel kann es sein, dass die Strasse vorhanden ist, aber vielleicht sind der Strom oder das Abwasser noch nicht dort. Nicht erschlossen ist, wenn beides nicht vorhanden ist. Weder die Fein-Erschliessung noch die Strasse.
Guido:
Also hat das mit dem Grad zu tun, wie stark das Haus oder das Grundstück erschlossen ist. Würdest du davon abraten, sprich soll man nicht bauen oder soll man sich mit dem Grundstück gar nicht auseinandersetzen, wenn es nicht erschlossen ist? Oder ist es trotzdem möglich?
Oliver:
Nein, also man muss sicher prüfen, was von dieser Erschliessung fehlt. Wenn die Kanalisation fehlt, ist die Frage, wo der nächste Anschluss ist und wie weit man graben muss, damit man dort hinkommt und anschliessen kann. Auch bei der Zufahrt: Wie weit muss man die Zufahrt machen, damit man zu dem Grundstück kommt. Das hat alles mit Kosten zu tun, die auch im Vorfeld wichtig sind für den Kunden, um zu wissen, worauf man sich einlässt.
Guido:
Gehen wir einen Schritt weiter. Die Schweiz besteht aus Bergen. Es gibt Flachland, Berge, Hangsituationen. Ist Hang schlimm? Ich habe grundsätzlich das Gefühl, dass Hang «lässig» ist, denn da hat man sicher auch Aussicht. Ist Hang ein gutes Grundstück oder ist das mit Vorsicht zu geniessen?
Oliver:
Es kommt immer ein wenig drauf an. Die schönste Variante ist immer, wenn man am Hang ist und die Garagierung gleich im Keller machen kann. Oben ist es immer eine Geschmackssache, es gibt viele Leute, die es nicht so «lässig» finden, wenn die Garagierung oben ist. Das hat meistens auch damit zu tun, dass der Hauseingang eher im oberen Teil ist. Am Hang kann es sein, dass es Felsen oder Wasserdruck gibt. Das sind sicher viele Dinge, die man im GIS prüfen könnte, was ich sicher auch empfehlen würde. Ich sage den Kunden auch immer, dass sie die Nachbarn fragen sollen. Vielleicht haben diese vor Kurzem gebaut und man kann nachfragen, wie der Baugrund dort war oder ob es irgendwelche Massnahmen gibt, die man bei diesem Hang treffen muss oder nicht. Das können auch Hangsicherungen sein, die man machen muss, da gibt es X Themen.
Guido:
Also gehen wir einmal von einem flachen Grundstück aus. Was ich da auch schon gehört habe, ist, dass es sogenannte Landwirtschaftszonen gibt. Die sind immer so gross, schön, den Wald noch in der Nähe, viel Platz und Raum. Ist die Landwirtschaftszone bebaubar? Kann ich dort ein Einfamilienhaus drauf stellen oder ist das auch mit Vorsicht zu geniessen?
Oliver:
Ich würde sagen, eher mit Vorsicht zu geniessen. In der Regel gibt es dort immer irgendwelche Auflagen. Entweder muss man das Gebäude wieder in dieser ähnlichen Art hinstellen, was natürlich zum Teil auch wieder mit Kosten verbunden ist. Man muss vielleicht kleinere Fenster anordnen, was viele Leute eher nicht wollen, sondern sie wollen lieber viele Fenster und grosse Glasflächen haben, was dort eher nicht möglich ist. Auch mit Flachdächern ist es eher problematisch. Vielfach sind auch Holzfassaden gefragt, aber auch nicht immer. Ich würde immer sagen, wenn man in der Landwirtschaftszone etwas beginnen möchte, ist es ganz wichtig, mit der Gemeinde und dem Kanton möglichst früh in Kontakt zu treten, um herauszufühlen, was dort möglich ist und was nicht.
Guido:
Es braucht sehr viele Vorabklärungen, bevor man sich mit der Situation in einer Landwirtschaftszone auseinandersetzen kann. Sehr gut.
Die Landwirtschaftszone kann auch umgezont werden – ist das richtig oder ist das falsch? Was bedeutet Umzonung? Wird auf einmal ein Bauland daraus? Soll ich auf so etwas warten oder wie siehst Du das, Oli?
Oliver:
In letzter Zeit sagt man, eine Umzonung findet eher weniger statt. Wenn, dann wir des eher rückgängig gemacht. Ich habe schon viele Dinge gehört, z.B. in Richtung Bündnerland, dass das Grundstück «ausgezont» werden kann, wenn man es nicht bebaut. Einzonen ist schwierig, das läuft über die Gemeinde. Die Gemeinde hat gewisse Flecken, die sie vielleicht irgendwann einzonen könnte, aber das geht über Jahre.
Guido:
Das kann ich mir vorstellen. Kommt es auch darauf an, ob der Boden von einer Landwirtschaftszone oder von einer normalen Bauzone ist? Und wenn wir schon beim Boden sind, gibt es Herausforderungen oder muss man schon beachten, was für ein Boden es bei einem Grundstück ist? Schlechter Boden, Felsboden, dieses und jenes. Muss man sich hier etwas anschauen oder soll man zuschlagen, wenn man etwas hat oder sieht?
Oliver:
Ich würde allen Kunden empfehlen, wenn man nicht täglich mit dem Ganzen zu tun hat, einmal bei der Gemeinde anzurufen. Vielleicht weiss derjenige gerade irgendetwas. Ansonsten bieten wir den Kunden an, dass sie uns anrufen und wir das prüfen. Wir prüfen eigentlich alle GIS-Karten. Dort kann es sein, dass das Grundstück in der Bodenverschiebung drin ist oder in der belasteten Zone. Es können Naturgefahren drin sein. Das prüfen wir alles und weisen den Kunden darauf hin: «Hey, schaut, das könnte dort ein Thema sein oder das ist ein Thema dort.»
Guido:
Okay, also es gibt sehr viele Herausforderungen, wie ich höre, beim Bauland suchen.
Oliver:
Da ist so, es gibt viele Stolpersteine.
Guido:
Sind wir noch in der Lage – oder ist der Bauherr noch in der Lage, ein Bauland überhaupt zu wählen? Ist es Hang, ein schlechter Boden, dieses oder jenes. Soll er das nächste nehmen? Sind wir heut ein der glücklichen Lage, ein Bauland zu wählen oder muss man zuschlagen? Man muss wahrscheinlich zuschlagen, nicht?
Oliver:
Ich würde sagen, wenn die Rahmenbedingungen grundsätzlich stimmen, dann muss man zuschlagen. Ein gewisses Restrisiko, was dort im Boden hervorkommt, das hat man einfach. Ausser, man beprobt alles und sondiert alles und findet alles heraus, aber im Normalfall macht das niemand im Vorfeld vor dem Kauf. Ein gewisses Risiko ist da, aber ich glaube das ist auch ein gesundes Risiko mit den Möglichkeiten, die man auch mit den Nachbarn hat, worauf man sich hier einlässt.
Guido:
Die Rahmenbedingungen abzuklären und abzuchecken und sicher den einen oder anderen Tipp einzuholen, ich glaube, das ist die Message, die jetzt klar rübergekommen ist.
Wie man ein Bauland findet und wo man suchen könnte, darüber sprechen wir in der nächsten NeubauPod-Folge. Besten Dank fürs Zuhören und bis bald.