Guido Carluccio:
Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einem weiteren NeubauPod. Heute bei mir ist Kerry, er ist Entwurfsarchitekt bei der Marty Häuser AG und mit ihm spreche ich über Lifestyle bei der Hausplanung. Schön, bist du bei uns, Kerry.
Kerry de Zilva:
Vielen Dank. Hallo zusammen!
Guido Carluccio:
Kerry, welche Rolle spielen spezielle Wünsche im Zusammenhang mit Lifestyle bei der Hausplanung? Ich denke an Hobbyräume, Wellness, Homeoffice und so weiter. Welche Bedeutung haben diese Themen für dich?
Kerry de Zilva:
Das ist natürlich sehr subjektiv und abhängig vom Kunden beziehungsweise Bauherrn, der bestimmte Wünsche äussert und Vorstellungen davon hat, wie er im Haus leben möchte. Wichtig ist, dass man solche Punkte früh im Planungsprozess erfährt und die Prioritäten einschätzen kann: Ist es wirklich wichtig, nur ein Nice-to-have oder sogar ein zentrales Thema des Hauses?
Guido Carluccio:
Du hast es gerade erwähnt: Sonderwünsche sollte man möglichst früh einbringen. Wirklich schon in der ersten Entwurfsphase oder kann das auch später noch berücksichtigt werden?
Kerry de Zilva:
Im besten Fall so früh wie möglich. Wir haben beim letzten Mal über Grundrissorganisation und Raumzusammenhänge gesprochen. Da ist es wichtig, solche Wünsche früh zu kennen, damit man sie sauber ins Gesamtkonzept einbetten kann und sie nicht am Schluss einfach angehängt werden. Das wäre schade und verschenktes Potenzial.
Guido Carluccio:
Wie wichtig ist aus architektonischer Sicht das Thema Luxus? Wie muss das mit der Architektur zusammenfliessen?
Kerry de Zilva:
Ich finde „Luxus“ ein schwieriges Wort, weil es auch eine negative Konnotation hat. Eigentlich bedeutet es Überfluss. Man muss also zuerst klären, was Überfluss überhaupt ist. Wenn man ein Haus auf den reinen Nutzen reduziert, dient es zum Wohnen mit Schlafzimmer und Küche, wäre das Minimum erfüllt. Wenn Luxus Überfluss bedeutet, wäre alles darüber hinaus Luxus: ein Büro, ein zusätzliches Gästezimmer und so weiter.
Darum bin ich vorsichtig mit dem Begriff. Ein Wellnessbereich geht klar in diese Richtung, weil man ihn nicht zwingend braucht. Gleichzeitig kann man fragen: Ist ein Hobbyraum für eine Modelleisenbahn im Untergeschoss auch Luxus? Er braucht ebenfalls Raum und muss eingeplant werden. Von aussen betrachtet sagt vielleicht jemand: „Wow, toller Luxus.“
Darum ist es wichtig, solche Themen früh zu priorisieren und im Gespräch herauszufinden: Ist es ein Hobby seit zwanzig Jahren oder etwas, das man gerade trendig findet und später wieder aufgibt? Es gehört auch zu unserer Aufgabe als Fachplaner, dafür ein Gespür zu entwickeln, damit wir nichts planen, das in zwei Jahren vielleicht schon wieder überflüssig ist.
Guido Carluccio:
Gibt es Denkfehler oder unrealistische Vorstellungen von Bauherrschaften, die häufig in diesem Zusammenhang auftreten?
Kerry de Zilva:
Eigentlich nicht. Ich habe noch nie etwas unrealistisches gehört. Im Gegenteil: Ich finde es spannend, wenn Kunden mit Ideen kommen, die etwas „out of the box“ sind. Das ist für uns eine Herausforderung, die wir gerne annehmen, um eine gute architektonische Lösung zu finden und sie ins Konzept einzubinden. Ich habe noch nie erlebt, dass wir sagen mussten: Das geht gar nicht.
Guido Carluccio:
Du hast vorhin den Wellnessbereich erwähnt. Wenn viele vom Spa im Einfamilienhaus träumen – ist das realistisch?
Kerry de Zilva:
Ja, das ist grundsätzlich realistisch. Es hängt stark von den Ansprüchen ab. Bei Spa und Wellness geht es um Wohlbefinden. Wie das umgesetzt wird, kann sehr unterschiedlich sein.
Schon ein schönes Sitzfenster in einer Nische kann ein Ort des Wohlbefindens sein, den man täglich nutzt, um ein Buch zu lesen und die Aussicht zu geniessen.
Was viele mit Spa verbinden, ist eher Sauna, Jacuzzi und ähnliche Einrichtungen. „Spa“ bedeutet ursprünglich Salus per aquam – Gesundheit durch Wasser. Wenn man das genau betrachtet, kann auch eine gut inszenierte Badewanne diesen Zweck erfüllen. Das heisst nicht zwingend eine freistehende Badewanne vor einer grossen Glasfront, sondern vielleicht gerade eine reduzierte Gestaltung, damit man sich auf das Baden konzentrieren kann.
Ein gutes Beispiel ist die Therme in Vals. Dort geht es wirklich um Wasser, Atmosphäre und Material. Teilweise gibt es nur Wasser und Stein rundherum, damit man sich darauf fokussieren kann und nicht durch Ausblicke abgelenkt wird.
Guido Carluccio:
Wenn ein Kunde einfach sagt: „Ich hätte gern ein Spa“, musst du also genauer nachfragen.
Kerry de Zilva:
Genau. Man muss herausfinden, was genau gemeint ist: Welches Spa gefällt ihnen? Das Hürlimann-Areal, die Therme Vals oder eher ein Hotel-Spa? So merkt man schnell, ob sie Ruhe und Abgeschiedenheit wollen oder ein Badezimmer, das ein Wow-Erlebnis bietet, etwa mit freistehender Badewanne. Mit solchen Fragen kann man das gut herausarbeiten.
Guido Carluccio:
Bleiben wir bei speziellen Räumen – dem klassischen Hobbyraum. Wie wichtig ist es, das konkrete Hobby zu kennen?
Kerry de Zilva:
In vielen Projekten gibt es den Wunsch nach einem Hobbyraum, aber eher als flexibles Zusatz- oder Möglichkeitszimmer. Dass man noch ein zusätzliches Zimmer hat, das man für verschiedene Zwecke nutzen kann. Das Beispiel mit der Eisenbahn, das ich erwähnt habe, war sehr spezifisch. Da war ein echter Eisenbahn-Fan. Er hat mir klar gesagt: „Ich brauche vor allem Länge und der Raum soll relativ schmal sein, damit ich meine Landschaften bauen kann. Und ich brauche eigentlich nur einen Ort, an dem ich stehen und das Ganze bedienen kann.“ Das war sehr spezifisch.
Guido Carluccio:
Er hat wahrscheinlich nicht „Hobbyraum“ gesagt, sondern eher: „Ich brauche einen Raum für meine Eisenbahn“, oder?
Kerry de Zilva:
Ja, genau. Wir haben zwar grundsätzlich von einem Hobbyraum gesprochen. Und dann haben wir gefragt: „Was genau ist es denn?“ Dann hat er ein bisschen geschmunzelt – vielleicht, weil man als Erwachsener das nicht immer gleich offen erzählen möchte. Aber wenn man nachfragt, sagt er es dann: Der Eisenbahnraum war ihm sehr wichtig. Deshalb haben wir ihn auch in den richtigen Dimensionen geplant.
Und wie gesagt: Ein Hobbyraum an sich ist meistens nicht so, dass ein Kunde sagt: „Ich habe dieses Hobby und brauche dafür einen ganz spezifischen Raum.“ Meist ist es eher ein Ausweichzimmer. Ich weiss nicht, ob die Leute zu Hause tendenziell weniger Hobbys haben – vielleicht sind viele Hobbys auch eher draussen, Outdoor und so weiter.
Guido Carluccio:
Hattest du nie den Fall, dass jemand sagt: „Ich möchte ein Musikzimmer“ und du weisst sofort: Das wird laut, da muss ich auch Massnahmen wie Schallschutz hinterfragen? Sind solche Themen noch nie aufgetaucht?
Kerry de Zilva:
Doch, ein Musikzimmer habe ich tatsächlich einmal in einem Generationenhaus geplant. Das waren zwei Generationen, beide musikalisch. Statt zwei separate Musikzimmer zu machen, hat es Sinn ergeben, eine Kombination zu schaffen – an einem Ort, der von beiden Wohnungen aus zugänglich ist. Wir haben dort eine Lösung gesucht, die funktioniert.
Das wurde dann so geplant, dass man ein Fenster zum Garten öffnen kann, wenn musiziert wird, sodass man in den Garten hinausspielen kann. So haben wir das im Konzept umgesetzt.
Natürlich mussten wir auch Schallschutzmassnahmen berücksichtigen. Wir haben etwas dickere, betonierte Wände vorgesehen und die Türen kompakter beziehungsweise schalldichter ausgeführt. Ansonsten hatte der Raum keine besonderen Anforderungen. Die Nutzer wussten ziemlich genau, was sie brauchen. Zweifachverglasung war nicht zwingend notwendig. Für die Raumakustik konnten wir relativ einfach mit Vorhängen arbeiten und sie so etwas beeinflussen.
Bei anderen Hobbys habe ich aktuell einen Kunden, dessen Kinder Schlagzeug spielen möchten. Das wird momentan noch nicht speziell berücksichtigt. Da wird dann eher situativ entschieden. Etwa, ob ein Instrument unten steht oder ein Piano in der Galerie. Oft sagt eine Person: „Dort ist es schön“, und die andere meint: „Dann schauen wir schon, dass das Piano wieder wegkommt.“ In der Übungsphase ist praktisch jedes Instrument nicht unbedingt angenehm.
Guido Carluccio:
So wie ich heraushöre, braucht es also eine vertiefte Auseinandersetzung und ein klares Ja oder Nein?
Kerry de Zilva:
Genau. Musik ist eher ein Thema als viele andere Hobbys, bei dem man beim Raum wirklich darauf achten muss, dass die Akustik stimmt.
Guido Carluccio:
Absolut. Gut, gehen wir zu einem weiteren Thema, Kerry: Homeoffice. Wahrscheinlich hörst du das im Gespräch häufig oder sprichst es sogar selbst aktiv an. Was ist für dich ein richtig geplantes Homeoffice?
Kerry de Zilva:
Die Bandbreite ist da relativ gross. Wenn ich selbst teilweise im Homeoffice arbeite, brauche ich eigentlich nur den Laptop. Dann kann ich auch auf dem Sofa sitzen, mit einem kleinen Tisch daneben, oder am Küchentisch arbeiten. In der Regel liegt der Fokus im Haus auf Wohnen und Essen. Das sind die grosszügigsten Räume mit der meisten Luft und dort hält man sich gern auf.
Ich habe aber auch Kunden, die vielleicht zwei Jobs haben und sich im Homeoffice möglichst nicht gegenseitig hören sollen. Das gibt es tatsächlich, etwa wenn beide bei Versicherungen arbeiten oder in Banken – wegen der Vertraulichkeit. Auch wenn Ärzte im Homeoffice arbeiten, muss das Zimmer abschliessbar sein, damit Kinder nicht hineingehen und zum Beispiel medizinische Bilder sehen, die sie nicht sehen sollten.
Guido Carluccio:
Es scheint also ein sehr weiter Begriff zu sein. Homeoffice ist nicht einfach ein Zimmer mit Tisch zum Arbeiten.
Kerry de Zilva:
Genau. Man muss sehr spezifisch nachfragen. Häufig reicht tatsächlich eine kleine Nische, um den Laptop aufzustellen und dort zu arbeiten. Es gibt aber auch Leute, die bei der Bank arbeiten, drei Bildschirme brauchen und zusätzlich physische Ordner.
Das ist im Wandel: Quadratmetermässig braucht man tendenziell weniger Platz für das Homeoffice. Gleichzeitig steigt der Anspruch an die Qualität des Raums also wo er positioniert ist. Habe ich vielleicht eine Ecke mit einem Stuhl, wo ich mich kurz zurücklehnen kann? Habe ich eine schöne Aussicht oder sehe, was draussen passiert?
Ein Homeoffice einfach im Keller einzuplanen, kommt heute kaum noch vor. Viele arbeiten zu einem gewissen Prozentsatz von zu Hause. Die letzten Kunden praktisch alle.
Guido Carluccio:
Welche typischen Fehler können bei der Planung solcher Arbeitsräume entstehen?
Kerry de Zilva:
Vor allem bei der Belichtung. Man sollte nicht einfach ein Büro als Glaskasten planen. Das sieht vielleicht gut aus, macht aber keinen Spass, weil die Arbeit am Bildschirm stattfindet. Man muss Spiegelungen vermeiden, Glasflächen richtig einsetzen und besonders bei kompakten Räumen sehr detailliert planen, damit der Raum optimal genutzt wird und man die Lichtproblematik im Griff hat.
Guido Carluccio:
Allgemein gefragt: Welche Luxuswünsche lassen sich einfach und clever umsetzen – etwa ein Weinkeller? Ist das immer sehr aufwendig oder geht das manchmal auch geschickt?
Kerry de Zilva:
Planerisch ist es nicht schwieriger als jedes andere Zimmer. Es ist in erster Linie eine Budgetfrage. Ein Weinkeller ist ein zusätzlicher Raum, je nach Ausstattung mit Kühlung. Oft wird auch gewünscht, ihn zu inszenieren, etwa mit Glasfront. Dazu kommen Schreinerarbeiten für die Lagerung der Flaschen. Häufig ist es ein Showroom für den Wein und im besten Fall gibt es davor noch eine kleine Sitzmöglichkeit.
Flächentechnisch braucht er natürlich Platz. Organisatorisch ist es kein grosser Mehraufwand aber es kostet, weil es zusätzliche Fläche ist. Wenn man jedoch nur eine begrenzte Fläche oder Budget hat und gleichzeitig viele Wünsche zusammenkommen, wird die Organisation komplexer als bei einer klassischen Raumaufteilung mit Schlafen, Wohnen, Essen und vielleicht einem Gästezimmer.
Wenn Platz und Budget vorhanden sind, ist die Integration nicht schwieriger. Schwierig wird es nur, wenn viele Wünsche zusammentreffen und man sie architektonisch so organisieren muss, dass nicht einfach isolierte Räume entstehen, sondern ein stimmiges Ganzes mit architektonischem Leben.
Guido Carluccio:
Bleiben wir beim Keller und bei Sonderwünschen. Gibt es Dinge, die klar in den Keller gehören oder ins Erd- oder Obergeschoss? Oder hängt das immer vom Bedürfnis ab? Man sagt ja oft: Hobby gleich Keller. Stimmt das?
Kerry de Zilva:
Nicht unbedingt. Wenn das Hobby zum Beispiel Grafikdesign ist, möchte man nicht im Keller sitzen. Dann will man eher oben arbeiten. Vor allem, wenn man das Hobby regelmässig ausübt und Familie oder Kinder hat, möchte man nicht ein Stockwerk getrennt sein oder ohne Tageslicht arbeiten, sondern eher in der Nähe der Familie bleiben.
Guido Carluccio:
Abschliessend: Kann man Luxus und Sonderwünsche irgendwie zusammenfassen? Es sind Wünsche der Bauherrschaft, die man versucht zu berücksichtigen. Ob es Luxus ist oder nicht, ist wohl Definitionssache des Kunden.
Kerry de Zilva:
Genau, definitiv eine Definitionsfrage. Ich würde vielleicht mitgeben, dass man gerade bei der Planung der Bäder generell etwas mehr Wert auf die Atmosphäre legen sollte. Man kann sich überlegen: Muss ein Bad immer weiss, hell und mit viel Tageslicht sein? Vielleicht ist es eleganter, es umgekehrt zu denken – ein Raum, in dem man für sich ist, mit Wasser, einer schön eingebetteten Badewanne und einer ruhigen Atmosphäre.
Das ist ein Thema, das mich aktuell beschäftigt. Muss man für viel Geld ein Spa besuchen oder kann man diesen Effekt auch zu Hause erreichen?
Ansonsten gilt: jedem das Seine. Wir sind offen für Vorschläge. Ich finde es immer spannend, wenn Leute mit Ideen kommen, die ich so noch nicht gesehen habe, auch wenn sie etwas spezieller sind und wir versuchen dann, sie zu integrieren.
Guido Carluccio:
Kerry, herzlichen Dank für deine Zeit und vielleicht bis zum nächsten Mal.
Kerry de Zilva:
Danke vielmals, Guido. Hat Spass gemacht. Bis zum nächsten Mal.